Steuerliche Behandlung von Pferdebetrieben

Pferdebetriebe werden immer mehr zu professionellen Dienstleistern, weil das von den Kunden erwartet wird. Ein moderner Betrieb muss von der bedarfsgerechten Fütterung über den Weideservice bis hin zur Betreuung bei Tierarztterminen alles anbieten, auf hohem Niveau, versteht sich. Bei landwirtschaftlichen Betrieben birgt das jedoch die Gefahr einer gewerblichen Infektion, was enorme Auswirkungen auf den Betrieb haben kann.

Mit der Steuer beschäftigen sich nur wenige Menschen gerne. Betriebsleiter von Pferdebetrieben mit marktgerechten Dienstleistungen müssen sich jedoch damit befassen. Denn wer auf dem Betrieb Reitunterricht gibt, täglich in großem Stil für die Einsteller Gamaschen wechselt und am Wochenende Kuchen verkauft, hat zwar zufriedene Kunden, könnte aber ein Problem bekommen und zwar mit der Steuer.

Pferdepension als landwirtschaftlicher Betrieb

Zunächst muss geklärt werden, ob eine Pferdepension aus Sicht der Steuer überhaupt ein landwirtschaftlicher Betrieb ist. Die Kriterien dafür sind klar geregelt und richten sich nach dem Verhältnis zwischen gehaltenen Pferden (Vieheinheiten) und der Flächenausstattung des Betriebs. Die Werte gelten je Hektar:

Steuerliche Angaben

Beispiel:
Ein Pferdebetrieb mit 35 Großpferden (je 1,1 Vieheinheiten) benötigt also Land von mindestens 3,85 Hektar. Ist das gegeben, kann eine steuerliche Behandlung als landwirtschaftlicher Betrieb erfolgen. Aber ist das überhaupt erstrebenswert?

Steuerliche Vorteile der Landwirtschaft

Die steuerlichen Vorteile landwirtschaftlicher Betriebe sind nicht zu verachten und deswegen auch für Pferdebetriebe in aller Regel interessant. Dazu gehören höhere Freibeträge, für die gar keine Steuern zu zahlen sind, eine einfachere Gewinnermittlung, Befreiung von der Kfz-Steuer, Lohnsteuer- und Umsatzsteuerpauschalierung und so weiter. Ist ein Pferdebetrieb aus steuerlicher Sicht dagegen ein Gewerbebetrieb, ist meist Gewerbesteuer an das Finanzamt abzuführen, die jährlich fällige Gewinnermittlung wird aufwändiger und die Grundsteuer steigt. Somit stellt eine steuerliche Behandlung eines Pferdebetriebes als Gewerbe ziemlich sicher eine Benachteiligung dar, die vermieden werden sollte.

Gewerbliche Einkünfte von Pferdebetrieben

Dienstleistung am Pferd

Dienstleistungen können den landwirtschaftlichen Status gefährden.

Wird ein Pferdebetrieb zu Beginn der Landwirtschaft zugeordnet, kann sich der Betriebsleiter noch lange nicht entspannt zurücklehnen. Denn zu einer modernen Pferdepension gehören vielfältige Dienstleistungen, die Einsteller erwarten. Doch eben diese Dienstleistungen stuft das Finanzamt als gewerbliche Einnahme ein, die den landwirtschaftlichen Status gefährden. Bis zu einem gewissen Grad gelten gewerbliche Leistungen als untergeordnet und gehen damit in Ordnung. Nehmen diese aber Überhand, wird aus dem beschaulichen Bauernhof ganz schnell ein Dienstleistungsbetrieb mit gewerblichen Einnahmen. Mit all den unangenehmen, oben genannten Folgen.

Vereinfacht gesprochen wurden die Tätigkeiten der Land und Forstwirtschaft (LuF) in 2 Kategorien aufgeteilt. Das sind zum einen der Absatz aus eigenen Erzeugnissen und damit in unmittelbarem Zusammenhang stehende Tätigkeiten und zum anderen die Verwendung von Wirtschaftsgütern des Betriebsvermögens für außerbetriebliche Zwecke und Dienstleistungen, die in sachlichem Zusammenhang zur LuF stehen. Für jede dieser beiden Kategorien gilt, dass der gewerbliche Teil 1/3 des Gesamtumsatzes oder die absolute Grenze von 51.500 Euro Umsatz nicht überschreiten darf. Zudem darf der Umsatz aus beiden Kategorien nicht mehr als 50% des Gesamtumsatzes betragen. Die Details müssen unbedingt mit einem Steuerberater geklärt werden, um Benachteiligungen zu vermeiden.

 

Gewerbliche oder landwirtschaftliche Einkünfte? Diese Tabelle gibt einen ersten Überblick:


Gewerbliche oder landwirtschaftliche Einkünfte?

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